Die Montagsgesellschaft widmete sich gemeinsam mit dem P5 – The Property Kongress einem der meistdiskutierten Themen der Stadtentwicklung: Wie schaffen wir es, den Wohnungsbau in Frankfurt zu beschleunigen – und zwar ohne Einbußen bei Qualität, Nachhaltigkeit und städtebaulicher Verantwortung?
Die Veranstaltung im Deutschen Architekturmuseum zeigte eindrücklich, wie komplex diese Aufgabe ist – und wie notwendig ein offener, fachlich fundierter Dialog bleibt.

Ein Podium mit klaren Positionen
Unter der Moderation von Dr. Stefan Söhngen diskutierten vier ausgewiesene Expertinnen und Experten:
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Dr. Thomas Schröer, Rechtsanwalt und Partner bei FPS
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Daniela Mata, Geschäftsführerin der ABG FRANKFURT HOLDING
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Stefan Forster, Architekt, Stefan Forster GmbH
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Jens Jakob Happ, Architekt und Geschäftsführer von happarchitecture
Gemeinsam entfalteten sie ein breites Panorama der Herausforderungen, vor denen der Frankfurter Wohnungs- und Städtebau steht.
Was bedeutet der Bauturbo – und funktioniert er?
Dr. Thomas Schröer erläuterte den „Bau-Turbo“ als neues gesetzliches Instrument, das es Kommunen ermöglicht, Bauleitplanungen unter bestimmten Voraussetzungen erheblich zu verkürzen. Ein „Beschleunigungstool“, das jedoch nur dann wirksam wird, wenn Städte wie Frankfurt den Mut hätten, es konsequent anzuwenden.
Seine Botschaft:
Der Bauturbo ist eine Chance – aber nur, wenn Verwaltung und Politik ihn verantwortungsvoll nutzen.

Qualität statt Quantität: Ein Appell aus der Architektur
Architekt Jens Jakob Happ brachte eine zentrale Perspektive ein:
Nicht allein Geschwindigkeit sei entscheidend, sondern Qualität.
Vereinfachte Verfahren dürfen nicht dazu führen, dass Räume entstehen, die weder Aufenthaltsqualität noch langfristige städtebauliche Stabilität bieten. Beschleunigung müsse Hand in Hand gehen mit einer klaren Vision für lebenswerte Quartiere.
Bezahlbarer Wohnraum zwischen Normen, Kosten und Risiken
Daniela Mata schilderte die Herausforderungen aus Sicht der öffentlichen Wohnungswirtschaft:
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stetig steigende Bau- und Finanzierungskosten
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immer komplexere technische Normen
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hohe rechtliche Anforderungen und Risiken
Bezahlbarer Wohnraum könne nur entstehen, wenn diese Rahmenbedingungen realistisch gestaltet würden. Der Appell: Mut zur Vereinfachung – und ein gemeinsames Verständnis von wirtschaftlich tragbaren Standards.

Stefan Forster provokant und präzise – der Satz des Abends
Architekt Stefan Forster formulierte die wohl deutlichste Aussage des Abends:
„Wir brauchen zum Bau-Turbo auch noch das Verbot von Einfamilienhäusern.“
Ein Satz, der im Saal sichtbar Wirkung zeigte.
Forster argumentierte mit dem zentralen Problem der Flächenknappheit:
Einzelhäuser verbrauchten im Verhältnis zum Nutzen unverhältnismäßig viel Raum und behinderten die Entwicklung kompakter, nachhaltiger und bezahlbarer Städte. Er forderte ein aktives Umdenken in Planung, Verwaltung und Politik – weg vom Stillstand, hin zu Mut und Gestaltungswillen.
Bau-Tsunami oder neue Chance? Was Frankfurt wirklich braucht
Der Abend machte deutlich:
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Der Bauturbo kann helfen, aber er löst keine strukturellen Probleme.
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Ohne klare politische Prioritäten bleibt er ein Instrument ohne Wirkung.
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Qualität, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit müssen auch in Zeiten der Beschleunigung Leitprinzipien bleiben.
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Die Verwaltung benötigt mehr Ressourcen, Flexibilität und Entscheidungskompetenz.
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Und: Die Transformation der Städte erfordert gesellschaftlichen Konsens.
Frankfurt steht vor einem entscheidenden Jahr – möglicherweise einem „Bau-Tsunami“, wie im Titel des Abends zugespitzt formuliert. Ob dieser produktiv oder chaotisch ausfällt, hängt von mutigem Handeln, Kooperation und einer konsequenten strategischen Ausrichtung ab.
Der P5 Club als Partner im Diskurs
Besonders hervorzuheben ist die Kooperation mit dem P5 Club, der die fachliche Perspektive der Immobilienbranche mit der gesellschaftlichen Mission der Montagsgesellschaft verbindet. P5 hat es sich zur Aufgabe gemacht, neue Wege in der Kommunikation, Vernetzung und Wissensvermittlung der Branche zu gehen – und genau dieser Brückenschlag prägte auch diesen Abend.

Fazit: Beschleunigung ja – aber nur gemeinsam
Die Veranstaltung zeigte:
Die Herausforderungen sind groß, aber Lösungsansätze sind vorhanden. Was jetzt zählt, ist das Zusammenspiel von Stadt, Wirtschaft, Planung, Architektur – und der gesellschaftliche Wille, Frankfurt zukunftsfähig zu gestalten.
Die Montagsgesellschaft wird diesen Dialog weiterführen.
Denn nur durch offenen Austausch, kluge Konzepte und mutige Entscheidungen entsteht der Wohnraum, den Frankfurt so dringend braucht.